Waffen und Geschichte: Das Gewehr SMLE Mk III
Am 26. Januar 1907 hielt eine wahre Ikone Einzug in die Militärgeschichte: das Lee-Enfield Mk III, besser bekannt unter seinem Kürzel SMLE (Short Magazine Lee-Enfield). Der Name ist eine Hommage an James Paris Lee, den Konstrukteur des Zylinderverschlusses, sowie an den Ort der Entwicklung: die Royal Small Arms Factory in Enfield, Großbritannien. Es diente als das primäre Ordonnanzgewehr der britischen Armee und vieler Commonwealth-Staaten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und kam in beiden Weltkriegen zum Einsatz.
Die Wurzeln des Lee-Enfield reichen bis in den November 1895 zurück. Es war eine Weiterentwicklung des Lee-Metford, eines mechanisch ähnlichen Gewehrs für Schwarzpulverpatronen. Das neue Modell kombinierte den Verschluss von James Paris Lee mit dem von William Ellis Metford entwickelten gezogenen Lauf. Während das Lee-Metford bereits seit 1888 im Dienst der britischen Armee stand, wurde 1895 offiziell das Magazine Lee-Enfield (MLE) adoptiert. Dieses neue Gewehr war ein technischer Meilenstein: Sein Verschlusssystem war schneller und einfacher zu bedienen, und das kapazitätsstarke Magazin ermöglichte eine beachtliche Feuerrate von 15 bis 30 Schuss pro Minute. Damit war das Lee-Enfield das schnellste Repetiergewehr seiner Zeit.
Ein Jahr später erschien die Kavallerie-Version, der Lee-Enfield Cavalry Carbine Mk I (LEC). Im Jahr 1899 folgten einige Modifikationen, die zur Entstehung des LEC Mk I* führten.
Sowohl das MLE als auch der LEC erlebten ihre Feuertaufe 1899 im Zweiten Burenkrieg. Allerdings traten Probleme hinsichtlich der Präzision und des Ladevorgangs auf, was die Entwicklung einer neuen Version anstieß. Das Ergebnis war das im Januar 1904 eingeführte Short Magazine Lee-Enfield oder SMLE. Diese leichtere und kürzere Variante sollte sowohl das MLE-Gewehr als auch den LEC-Karabiner ersetzen. Dass der Lauf nur wenige Zentimeter aus dem Schaft ragte, sorgte damals für Kontroversen: Man hielt die Waffe für nicht kurz genug für die Kavallerie, aber auch nicht lang genug für präzise Schüsse auf große Distanz.
Weitere Verbesserungen und Vereinfachungen am SMLE führten schließlich am 26. Januar 1907 zur Einführung des SMLE Mk III. Dieses Modell verfügte über eine fest installierte Ladestreifenführung und eine vereinfachte Visierung. Auch der Handschutz und das Magazin wurden überarbeitet, sodass nun die neue Mark-VII-Munition verschossen werden konnte. Diese Modernisierungen wurden nachträglich auch auf die ersten Modelle des MLE und SMLE angewandt.
Das SMLE Mk III war das Standardgewehr der britischen Infanterie im Ersten Weltkrieg. Die Realität des Krieges zeigte jedoch schnell, dass die Fertigung dieses Gewehrs zu komplex war, um den enormen Bedarf der Front zu decken. Man suchte nach Möglichkeiten zur schnelleren Produktion, was 1915 zur Einführung einer vereinfachten Version führte: dem SMLE Mk III*. Trotz der Fertigungsengpässe erwies sich das SMLE auf dem Schlachtfeld als überlegene Waffe.
Im Jahr 1926 änderte die britische Armee ihre Nomenklatur: Die SMLE-Gewehre im Kaliber .303 wurden in Rifle No. 1 Mk III bzw. III* umbenannt. Die alten Magazine Lee-Metford und Lee-Enfield sowie die frühen SMLE-Modelle wurden als veraltet ausgemustert. Viele Mk III und Mk III* wurden jedoch auf das Kaliber .22 umgerüstet, als Rifle No. 2 bezeichnet und für die Ausbildung von Kadetten und Rekruten genutzt.
Gegen Ende der 1930er Jahre führte die britische Regierung das Rifle No. 4 ein. Die Produktion des Rifle No. 1 (ehemals SMLE) lief jedoch weiter und das Gewehr wurde während des Zweiten Weltkriegs von britischen und Commonwealth-Truppen in Nordafrika, Italien, im Pazifik und in Burma eingesetzt. Indien und Australien behielten es während des gesamten Konflikts als Standardgewehr bei: Zwischen 1939 und 1945 produzierte die Fabrik in Ishapore (Indien) über 600.000 SMLE Mk III*, während in Australien mehr als 500.000 Stück gefertigt wurden. In Großbritannien stellte die BSA Co. über 250.000 Exemplare her.
Nach dem Krieg wurden diverse Updates vorgenommen, und das SMLE blieb das Hauptgewehr der britischen Armee bis zur Einführung des L1A1 SLR im Jahr 1957, wobei es noch einige Jahre als Ausbildungswaffe diente. Auch heute noch wird es von Reserve- und Polizeikräften in verschiedenen Commonwealth-Ländern genutzt und bei zeremoniellen Anlässen getragen.
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